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EGW Schburg klein

Freikirche oder was?


Landeskirche oder Freikirche

Das Evangelische Gemeinschaftswerk (EGW) ist nicht Landeskirche und nicht Freikirche. Rechtlich gesehen ist das EGW ein Verein und von der geschichtlichen Herkunft her versteht sich das EGW als Gemeinschaftswerk innerhalb der Evangelisch-Reformierten Landeskirche.

In der Praxis fällt auf, dass immer öfters EGW-ler das EGW als Freikirche vorstellen. Nun ja, einerseits haben immer mehr Gemeinden ein vollständiges Angebot und vor allem: wenn es auf die Schnelle gehen muss, hat man fast keine andere Möglichkeit, denn was eine Gemeinschaft ist, wissen nur wirklich Bewanderte. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass es die Gemeinschaftsbewegungen in der Schweiz nie zu einer von den reformierten Landeskirchen wirklich anerkannten Bewegung geschafft haben. Auch in unserem Werk investierte man die Kräfte lieber für die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat und nicht in Bemühungen um Anerkennung.

Kirche - Was ist das?
Kirche ist in unserem Sprachraum einmal ein Gebäude, meistens mit Turm, das christlichen Zusammenkünften dient.
Weiter ist Kirche für viele Leute die christliche Gemeinde, zu der sie gehören.
Für viele Menschen heute ist Kirche die Pfarrperson. Das gilt nicht nur für solche, die von der Kirche nur die abrufbare Lebensbegleitung wünschen. Nein, das gilt auch für diejenigen, die weit mehr erwarten und Enttäuschungen erleben, deren Folgen zum Austritt führen können. Auslöser dazu ist sehr oft eine Pfarrperson und nicht die Kirche/Gemeinde.

Was sagt die Bibel?
Aus Platzgründen dazu nur Fragmente.

Die Bibel kennt weder das Wort „Landes-„ noch „Freikirche“. Auch das Wort „Kirche“ (altgriechischen kyriakós „zum Herrn gehörig“) kommt im Neuen Testament (NT) nicht vor.  
Einer der hauptsächlich vorkommenden Begriffe im NT ist ekkläsia - Gemeinde, Herausgerufene. Im Sprachgebrauch der Antike wurde mit ekkläsia die Vollversammlung der rechtsfähigen, also stimmberechtigten Bürger bezeichnet, also eine politische Angelegenheit.
 
Im NT kommt ekkläsia, das in deutschen Übersetzungen meistens mit „Gemeinde“ wiedergegeben wird, an einer einzigen Stelle für die Bezeichnung vom Volk Israel vor. Dies in der Rede des Stephanus (Apg, 7, 38), als er vom Herausrufen des Volkes Gottes aus Ägypten redet.
Auch beim Aufruhr des Demetrius in Apg. 19, 32. 39 und 40 wird ekkläsia verwendet. In den Bibelübersetzungen wird es meistens mit „Versammlung“ übersetzt. Da handelt es sich um eine Versammlung der Bürger, die wegen dem Aufruhr nicht ordentlich zustande kommen konnte.

Im NT begegnen wir weiteren Begriffen/Bildern, die einen bestimmten Aspekt von Kirche/Gemeinde deutlich machen wie zum Beispiel:

  • Heilige (Römer 1, 7; Epheser 4, 12)
  • Schafe / Herde (Johannes 10, 16. 27.28)
  • Reben (Johannes 15, 5)
  • Volk Gottes (1. Petrus 1, 20; Hebräer 4, 9)
  • heiliges Volk, Volk des Eigentums (1. Petrus 2, 9; Titus 2, 14)
  • Leib Christi (1. Korinther 12; Römer 12, 4 - 5; Epheser 1, 23)
  • Bau Gottes (1. Korinther 3, 9; Epheser 2, 21)
  • Tempel Gottes (1. Korinther 3, 17; Epheser 2, 21)
  • geistliches Haus (1. Petrus 2, 5)
  • Priesterschaft (1. Petrus 2, 5. 9)
  • Ackerfeld Gottes (1. Korinther 3, 9)
  • Braut Christi (Offenbarung 19, 7; 22, 17)

Im Alten Testament wird das zusammengerufene Volk oder eine bestimmte Gruppe davon als Gemeinde / Versammlung bezeichnet wie z.B. 2. Mose, 12, 3; 3. Mose 8, 3; 4. Mose 31, 16; 5. Mose 16, 8; Psalm 26, 12 uva.

„Im Neuen Testament ist Gemeinde die Herausgerufene aus einem Grösseren heraus. Das deutsche Wort ‚Gemeinde’ gibt diesen Sinn nicht genau wieder, sondern betont mehr das Gemeinsame, Zusammenschliessende und unterscheidet sich in dieser Beziehung kaum von dem verwandten Wort Gemeinschaft (kononia).“ (Heinrich Langenberg, Biblische Begriffs Konkordanz, 3. Aufl., Metzingen 1976, S. 182/183).

Nicht nur durch „ekkläsia“, auch durch die weiteren Begriffe/Bilder im NT wird klar: es geht um das herausgerufen sein. Menschen, die zu Christus gehören, werden darum in der Bibel auch als „Heilige“ bezeichnet. Heilig ist, was Gott, was Christus ganz gehört.

Kirche als Bau
Im NT ist vom Bau die Rede, aber nie als Gebäude, sondern da ist von lebendigen Steinen die Rede (1. Petrus 2, 5), die auf dem Grund- / Eckstein Jesus Christus zusammengefügt zu einem heiligen Tempel wachsen (Epheser 2, 20 - 21). Zusammengefügt oder ineinandergefügt bedeutet, dass die Steine einander tragen und der ganze Bau damit die Festigkeit und Stabilität bekommt.

Was nun?
In der Kritik an der Landeskirche wird oft festgestellt, dass diese nicht zwischen Glaube und Unglaube unterscheide und darum nicht das Ziel habe, Menschen zum Glauben zu führen. Sie begnüge sich damit, Mitgliedschaft zu pflegen. Anstatt sich von falschen Auffassungen und Lehrmeinungen abzugrenzen, hat alles unter dem Deckmantel Pluralismus Platz.
Es wird auch von geduldeter „Patchwork-Religiosität“ gesprochen. - Ich meine, dass wir alle heute Kinder unserer Gesellschaft sind. Und als solche sind wir es uns gewohnt, auszuwählen. Darum will jedes Kirche nach seinen Vorstellungen. Oft wird gar nicht bemerkt, wie dabei echte Sorgen vermischt sind mit eigener religiöser Geschmacksrichtung.

Meine Wunschvorstellungen dürfen nie das Mass sein. Es geht darum, dass ich mich von Jesus berufen und an dem Platz einpassen lasse, wo er mich in seinem lebendigen Bau haben will.

„Es gibt im Grunde nur eine Gemeinschaftsbewegung, so viele auch genannt werden mögen, einerlei unter welchem Namen. Das ist die innere Herzensbewegung derer, die zum Glauben an Jesus Christus, den gekreuzigten, wahrhaftig auferstandenen und wiederkommenden Heiland gekommen sind.“ (Hans von Sauberzweig, Er der Meister - Wir die Brüder, 2. Auflage, Denkendorf 1977, S. 1 / 2)

Christian Heimberg, Pfarrer EGW